TAGE IN HELLBLAU (konjunktivisch)

5 Apr

Verlörest du dich doch manchmal noch in die Falten der Erinnerung

an die Sekunden der unbeschreiblichen Stunden in den Wäldern?

Lägest du vielleicht (so wie ich) zwischen den Seiten der Bücher,

in denen die Worte sich reihten wie Berge am Horizont?


Kämest du (möglicherweise nur im Ahnen) noch immer an die Stege,

wo das Wasser wispernd nach uns rufen würde: Kühle mich mit deinem Herz?

Versenktest du dich hin und wieder in die Wolkenkissen über dir,

in denen wir die lichten Tage ohne Ewigkeit verträumten könnten?


Sähest du noch nach den Winden, die im Uferschilf schlummerten,

wärest du ab und zu noch ein Gast im Rauschen ferner Sommer?

Mein Atem hauchte gegen Zeit und verlöre allmählich den Zorn,


das ungeheuer große Dunkel würde ganz langsam ein kleines Grau.

Der Schatten deines Schattens verlöre sich im Spiegel des Spiegels

und über den Türen hingen also noch die großen Tage in Hellblau.

BLAUE PFERDE ROTE REHE GELBER HUND IM SCHNEE DER TIGER   (zu Franz Marc)

3 Apr

So stolz, die Rücken gestreckt und die Nüstern gebläht,

erkennen die Blauen Pferde das Leben, so spät

durchschleichen die Roten Rehe witternd den Wald,

über allen die Wolken und die Nacht schon sehr bald.


Auf einem Flecken von Schnee ein Gelber Hund,

den Kopf zum Schlaf gebettet, in Ruhe und

Gelassenheit wartend, verträumend der Tage Last,

dem Sommer entgegen in dieser kleinen Rast.


In Kuben gekauert, keine Himmel mehr sehend,

Der Tiger, seit Wochen fast nur noch flehend

um Erlösung aus dem Reigen von Fressen und Leben:

Du, Mensch, verzeih mir, ich hab mich ergeben.

VERMISSEN ZU ERINNERN

20 Mrz

Ich kann dich nicht vergessen,

aber mich nicht an dich erinnern.

Du hast mit mir die Welt vermessen

in winzig riesengroßen Zimmern.


Ich muss oft schon daran denken,

dich immer noch so zu vermissen,

wie Träume weiter zu versenken

in den weißen Mauerrissen.


Ich habe Fieber, ohne krank zu sein,

mir ist heiß, meine Stirn aber trocken.

Ich gewinne den Lauf auf einem Bein,

tanze Walzer mit Stahlschneeflocken.


Ich kann dich nicht vergessen, so sehr

erinnere ich mich nicht an dich.

Daran trage ich nicht mehr schwer,

endlich bin ich nicht mehr ich.

ABENDGLÜHEN

22 Feb

Das Abendlicht neigt sich mir entgegen

und reicht mir seine Hand

Es ist die Schönheit auf die ich hoffte

das unbekannte Land


Meine Stimme versengt die Glut

allmählich zu Blut

Ich bade darin wie ein Kind

es endet wie es beginnt


Das Abendlicht neigt sich mir entgegen

und führt mir meine Hand

Es fragt die Fragen die ich nicht stellte

verloren im Treibsand


Sein Hauch verdampft mein Wort

zu einem Mord

Ich trinke den ersten Tau

rauh

mit Schmerz

himmelwärts


Das Abendlicht neigt sich mir entgegen

und nimmt mich an der Hand

Es ist die Antwort die ich suchte

und doch nicht fand


Sein Feuer verbrennt mir die Haut

erst zu Asche dann zu Staub

Ich blase meinen Atem hinein

und er wird zu Stein

FR.agen fr.agen (Je suis FR.ance)

9 Jan

Worum geht es?

Warum waren die, die schrieben, dieses Mal nicht die, die blieben?

Macht dieser Glauben krank?

Liebt, wer liebt, auch die Liebe?

Ist Beleidigtsein auch profitabel?

Wer ist der ‚kleine Mann‘?

Kann man mit ‚Volkes Stimme‘ singen?

Kann man Mitleid lernen?

Ist, wer hasst, glücklicher?

Wer steckt dahinter?

Wieviel ist ein Schmerz wert oder ist er unbezahlbar?

Wer verwaltet den ‚Schlüssel des Glücks‘?

Warum bin ich ich und auch nicht?

Ist die Summe nur das Ergebnis aller Einzelteile?

Werden wir irgendwann genug haben?

Wo wohnt G’tt?

Kann man mit leuchtenden Beispielen dunkle Straßen erhellen?

Wer weiß, wo der Pfeffer wächst?

Was bleibt übrig?

Warum werden so viele von allen guten Geistern verlassen?

Wo findet man Ewigkeit?

Kann man nach seiner Geduld im Fundbüro fragen, wenn man sie verloren hat?

Denken alle, dass sie denken?

Was sagt man dazu?

Was tun?

Womit beginnen?

Hat das Leben schon angefangen, wenn es zu Ende geht?

Darum Fr.agen fr.agen?

Trauern wir in Schweigen

und verneigen

uns

vor ihnen,

indem wir ab jetzt

nicht mehr Schweigen.

neujahrsonett

2 Jan

die nebel haben sich gelichtet

fast ist das wetter wieder klar

der rest zieht weiter in ein nichts

das helle leichte ist und war


die instrumente sind gestimmt

und spielen auf dem horizont

über dem ein schwarzgebirge

in einer warmen sonne schwimmt


die wasser sind schon abgeflossen

zurückgewichen in die nacht

sind sie in worten der verzweiflung

und die nebel folgen diesen nach


verlang vom unmöglichen ein stück

bekommst das mögliche zurück

KINDERALPHABET DER TIERE

1 Jan

AALE und auch AFFEN

machen so manchem zu schaffen:

die Aale sind glitschig,

die Affen sind witzig.


BÄREN haben Riesentatzen

und sie können sehr laut schmatzen,

mit Honig im Gesicht –

das ist nämlich ihr Leibgericht.


CHAMÄLIONS sind wirklich schlau,

mal sind sie rot, mal sind sie blau,

ihre Zunge ist sehr lang,

niemand hört ihren Gesang.


DRACHEN spieen große Feuer,

allen war’n sie ungeheuer,

kein Märchen, sie sind hier gewesen,

willst du sie finden, musst du lesen.


ESEL und ENTEN schreien den ganzen Tag

die Esel „Ihh-Ahh“, die Enten „Naag-Naag“,

wer aber will, kann sie verstehen,

hör‘ gut hin und du wirst schon sehen.


FISCHE sind meistens ja ganz stumm,

manche halten sie für dumm,

doch sind sie klüger, als man denkt,

als Zierde werden sie oft verschenkt.


GEPARDEN tragen ein gepunktetes Fell,

sie sind stolz und unheimlich schnell,

haben sie Hunger, gehen sie jagen,

in den Nächten und an den Tagen.


HASEN hoppeln über Felder,

oftmals auch durch dunkle Wälder,

manche sind weiß, andere grau

und mümmeln Rüben in ihrem Bau.


IGEL sind nichts zum Fürchten,

ihre Stacheln sehen aus wie Bürsten,

sie schlafen den ganzen Winter –

Vater, Mutter und die Igelkinder.


JAGUARE verstecken sich gut

und sind immer auf der Hut,

manchmal liegen sie auch auf Bäumen

und machen nichts weiter als träumen.


KÄNGURUHS leben in Australien,

ihre Hiebe sind keine Lappalien,

im Beutel tragen sie die Jungen,

es wird nicht gelaufen, nur gesprungen.


LÖWEN haben immer Lust zu schlafen

und jeden werden sie bestrafen,

der den König neckt

oder, noch viel schlimmer, weckt.


MARABUS tragen einen schwarzen Frack

ihre Federn glänzen wie Lack,

scheint darauf die Sonne

ist’s für sie die größte Wonne.


NASHÖRNER lieben dann und wann

ein schönes Bad im warmen Schlamm,

ihr Horn ist stark und spitz

und hat auf der Nase den Sitz.


OTTER wollen nicht gern verreisen,

viel lieber graben sie mit leisen

Pfoten Höhlen in die Erde rein

für die Otterkinder, so soll’s sein.


PFERDE sind so elegant

die Hufe nennt man, wie lustig, „Hand“,

sie haben einen langen Schweif,

als Zebras sind sie jedoch gestreift.


QUALLEN können wie Feuer brennen,

fass sie nicht an, sonst musst du rennen,

viele sind gemacht wie aus wie Glas,

andere sehen aus wie Gras.


RENTIERE ziehen den Weihnachtsmannschlitten

manchmal werden sie auch geritten,

„Rudolf“ heißen sie meist,

ihre Nasen sind rot, die Bäuche weiß.


SCHMETTERLINGE flattern gerne mal im Bauch,

das kitzelt und Spaß macht es auch,

ihre Kinder sind erst Raupen

mit 1000 Füßen, das kann man kaum glauben.


TIGER lieben Streifen so sehr

und haben sich also daher

einen Anzug davon gemacht,

sind so fast unsichtbar bei Tag und Nacht.


UHUS schauen immer so streng,

ihre Augen sind scharf und ganz eng,

den Kopf können sie nach hinten drehen,

so kann ihnen nichts entgehen.


VIELFRASSE fressen gar nicht so viel,

vielmehr ist Spielen oft ihr Ziel,

aber sie können auch schreien

alleine, zu zweit oder zu dreien.


WÖLFE heulen nur in Rudeln

und fressen dabei keine Nudeln,

die Zähne wissen sie wohl zu benutzen

und müssen die noch nicht mal putzen.


Xenosauruse sind entfernt verwandt

mit Krustenechsen, das ist bekannt

und willst du sie mal besuchen,

musst du in Mexiko nach ihnen suchen.


YAKS haben aus Zotteln ein Fell,

das ist dunkel und nicht hell,

sie grunzen laut und breit,

das hört man schon kilometerweit.


ZIEGEN haben einen spitzen Bart

weiss und lang und ziehmlich zart,

sie geben Milch und müssen immer meckern

auf ihren Wiesen und den Äckern.

IMIGRATION

1 Dez

An deinen Grenzen stehen jetzt Bewaffnete, Scharfschützen, Zöllner,

Sie durchsuchen mich und nehmen mir, was ich mitzubringen hatte,

Du bist eine Landschaft, zu der ich keinen Zutritt mehr habe.

Mein Pass wurde mir abgenommen, ich erhalte kein Visum mehr.


Die grüne Grenze, die du um dich gezogen hast, ist vermint,

In den Flüssen, die dich umgeben, schwimmen Froschmänner,

Die mich, lachend unter den Masken, ans diesseitige Ufer

zurücktreiben,

Mich verhöhnend gehen lassen, während deine Ebenen in der Sonne

liegen.


Du hast mir mit fünf Worten die Überfluggenehmigung entzogen,

Ich sehe dem kleinen Grenzverkehr aus der naher Ferne zu.

Die Aussichtspunkte sind für mich mit Stacheldraht abgeriegelt.

Die Züge werden von anderen bestiegen, die in deine Hauptstadt

fahren dürfen.


In deinen Theatern  spielen andere, andere Stücke, absurde Gastspiele

Und in Deinen Kinos laufen andere alte Filme.

In deinem Radio fehlt ab jetzt eine Station (sie wird wahrscheinlich  nicht mal vermisst).

Dein Fernsehprogramm besteht ab jetzt aus Neuigkeiten, die ich nicht mehr kennen werde.


In deinen Häfen ankern jetzt schnittige Schnellboote mit großen

Kannonen,

Die sich auf deinen Wassern zu den Turnieren treffen und um die Wette fahren.

Es wird ohne Anruf scharf geschossen.

In deiner Erde darf ich nicht mehr liegen.


Es bleibt mir nichts anderes übrig, als nach Hause auszuwandern.

NUR EIN EINDE

25 Nov

Die Hände beginnen sich miteinander zu langweilen,

sie nehmen sich eine Zigarette,

sie verweilen im Rauch

wie die beiden Menschen jetzt auch.


Der kurze Rausch ist vorbeigerauscht,

kein Geräusch mehr im Kopf,

kein Sturm mehr, kein kleiner Wind.

Das Glück – von Traurigkeit ein Kind.


Die Nebel lichten sich langsam,

der Regen gewinnt gegen den Tag.

Ein kleines Wort kämpft sich aus den Seelen heraus:

Aus.

ELEGIE

23 Nov

That I should know your face my love

Like sorrow knows the dying dove

That I should hold you to my breast

Come back to me is my request.



My own true love remember me

When once again my eyes you see

My heart lies in a darkened place

Where you should know my weary face.



I’ll search for you on every shore

To hold you in my arms once more

I’ve travelled down this long hard road

And I’ll not ever let you go my broad.



I know your face my love at best

Come back to me is my request.