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WOLKEN IM KOPF

20 Jul

Es ist unglaublich, wo bestimmte Wolken zu finden sind.

Sie nisten auf den mattschimmernden Häuten der Frauen,

Versinken in duftenden Falten der Zeit und ein Kind

spielt mit ihnen und kann Sandburgen draus bauen.

 

Sie spiegeln sich gekräuselt auf den Wellen

Des Sees und der Meere der langen, großen Sommer,

Bedecken auch noch so kleine Himmel und quellen

In Gewittern als Kleid greller Blitze und ferner Donner.

 

Durch die Erinnerung schweben sie als herbstliche Nebel

Und manchmal tanzen sie wie geschärfte Bäusche

Durch das Land ‚Verlieren‘ und teilen als Säbel

Das längst Vergessene ohne Geräusche.

 

Wer sie sucht, wird sie nicht entdecken,

Man muss warten, bis sie sich zeigen,

Sie sich der Seele entgegen recken

Und flüstern, schreien und dann wieder schweigen.

 

Und gestern traf ich sie deinen Haaren,

Dein Atem wehte durch  Gesang

Zu mir,  ich wollte mit dir fahren

An den Träumen entlang.

 

Des Abschieds doppeltes Wort,

Ein letztes Mal ein zahmes Bellen.

Nirgends – heißt ein Zufluchtssort

Aus Wind und Duft und Wellen.

 

Reise gut und schnell und hoch,

Verlange vom Unmöglichen ein Stück,

Die Sehnsuchtsfragen bleiben noch,

Vielleicht kommst du zu mir zurück.

BLAUE STUNDE

6 Jul

Langsam schließt der Tag die Tür
Und der Westen versinkt im Glühen
Purpurwolken über mir
Und in den Augen letztes Blühen

Im Fieber lag die Welt noch eben
Und jene feierten das Morden
Autoradioleben
Sind zu Grabesstille geworden

Zwischen Bäumen geht ein Wind
Und das Rauschen verweht ganz sacht
Irgendwoher lacht ein Kind
Das Morgen ist aus Träumen gemacht

Unsre Zeit ist Plus Minus Null
Und im Süden wird geschossen
Blutgetränkter Mull
Tränen werden nicht mehr vergossen

Östlich steht der Mond schon fahl
Die Straßen dunsten im Treiben
Unvergleichlich ein letztes Mal
Soll ich gehen oder bleiben

FERNE GELIEBTE

29 Apr

Vom Abschied will ich einmal schreiben können

wie von einem See,

der in den Sommern vor mir in der Sonne liegt,

winters bedeckt von Schnee:

ruhig & schön.

 

Vom Sehnen will ich also schreiben können

wie von Himmeln,

die in den Gebirgen sich über mir wölben

mit Wolken aus rasenden Schimmeln:

fern & nah.

 

Vom Hoffen will ich auch schreiben können

wie von einem Meer,

das ich in diesem Leben doch bezwingen kann,

so blau, so sehr:

tief & warm.

 

Vom Träumen will ich immer schreiben können

wie von Ebenen,

die ganze Nachmittage mich durchflimmern

Zuständen, schwebenden:

still & klar.

 

Von den Ängsten will ich manchmal schreiben können

wie von Städten,

deren Luft so laut ist wie ein Schreien

in Festen:

lang & fahl.

 

Aber, meine ferne Geliebte, von dir

will ich schreiben können wie von Monden,

deren kühles Licht die Nacht mir

durchbricht mich wärmt und hält,

deren Flut mich anfällt

und mich nicht ertränkt,

deren Auf- und Untergang mich trägt

so unentwegt

mich weckt

und schlafen macht,

deren Spegelbild du bist,

so scharf, so sacht.