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BLAUE STUNDE

6 Jul

Langsam schließt der Tag die Tür
Und der Westen versinkt im Glühen
Purpurwolken über mir
Und in den Augen letztes Blühen

Im Fieber lag die Welt noch eben
Und jene feierten das Morden
Autoradioleben
Sind zu Grabesstille geworden

Zwischen Bäumen geht ein Wind
Und das Rauschen verweht ganz sacht
Irgendwoher lacht ein Kind
Das Morgen ist aus Träumen gemacht

Unsre Zeit ist Plus Minus Null
Und im Süden wird geschossen
Blutgetränkter Mull
Tränen werden nicht mehr vergossen

Östlich steht der Mond schon fahl
Die Straßen dunsten im Treiben
Unvergleichlich ein letztes Mal
Soll ich gehen oder bleiben

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Was mal gefragt werden muss, lieber G.G.! (der Grass, der Günter)

7 Apr

Wo bleibt Dein Aufschrei jetzt, G.G.?

Liegt er vielleicht nur verborgen unterm letzten Schnee?

Kämpft er vielleicht nur noch mit dem Frost

aus dem ach so fernen Fernost?

 

Wo bleibt Deine ‚Lyrik‘ jetzt, G.G.?

Ist sie erschallt und schon zertreten von Kim Jongs kleinem Zeh?

Bist Du zum öffentlich-lyrischen Schämen schon zu taub,

die allerletzte Tinte im Tintenfass schon Staub?

 

Wo bleiben Deine Worte jetzt, G.G.?

Müsstest Du nicht heulen über den nuklearen Klee,

in einem haltlos ungereimten Gedichte?

Oder liest Du am Ende gar keine Zeitungsberichte?

 

Wann fängst Du wieder an zu geDichten, G.G.?

Wann schenkst Du uns wieder einen lyrischen Dreh,

um zu sagen, was gesagt werden muss,

jedes Wort ein Hammerschlag, ein treffsichrer Schuss?

Wann hören wir wieder was von Dir, G.G?

 

Ist Deine letzte Tinte wirklich schon verbraucht, G.G.?

wenn man in Syrien mordet und versteh‘

ich Dein Schweigen darüber richtig:

Dir ist das alles gar nicht so wichtig,

nobelpreistragender Antisemit G.G.!

 

Wir wollen Deine Ruhe nicht stören zwischen Luv und Lee, G.G.

Wahrscheinlich folgt bald Dein Beweis, dass sich die Erde verbiegt

und Nordkorea eigentlich in Israel liegt,

Syrien von Juden unterwandert ist

und Du somit der letzte Mohikaner bist.