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ODE AN DIE KATZE

17 Feb

Nur der vergleicht sich mit ihr,
dessen Fantasie nicht dafür ausreicht
zu wissen, was das bedeutet.
Nur der versucht sich ihr ungebeten zu nähern,
dessen Sinne stumpf sind
wie ausgediente Krallen.
Nur der dominiert die Stunde der Zusammenkunft,
dessen Geist so schwach ist,
wie das Lid am Morgen.

Sieh mit deinen eigenen Augen und du wirst erspüren,
wie majästetisch sie sich dir ergibt.
Lechze mit deinen eigenen Sinnen und du wirst im Spiegel
sehen,
wie ihr Stolz dich selbst eben damit erfüllt.
Sei bereit ihr Streichen um deine Beine nicht als Demut
zu begreifen,
sondern als Geschenk eines neuen Tages.

Richte dich neben ihr zu deiner Größe auf
Und du wirst ihr gerade in die Augen sehen können.
Bleib bei dir und zeige ihr deine Seele
Und du wirst die ihre erblicken.
Verlier dich nicht
Und du wirst sie nicht verlieren.

Nicht der Hund, der dir auf allen deinen Schritten, Deinen Tritten
nachfolgt
(er bettelt nur um Fressen und dein Bett),
nicht der Vogel, der in seinem Käfig für dich singt
(er klagt mit seinen Liedern nur um seine Freiheit),
nicht das Pferd, das deinem Ziehen am Zügel so willig folgt
(es schleudert damit nur seinen Instinkt nach Bewegung in die Welt),
sind es, die dich besonders machen – sie folgen, singen, laufen
morgen schon einem anderen Herrn.

Nurf die Katze vermag sich, dir zugehörig zu zeigen,
ohne dir zu gehören, so wie du nicht ihr gehörst.

Du wirst sehen, wie sie dann mit dieser einen Liebe zu dir kommt
Und diese Liebe schlägt sie dir zärtlich in deine Haut bis auf dein Blut.
Die Katze vollendet dich nicht, aber sie zeigt dir den Weg,
sie ist das Leben, wie es in dir ist, wenn du bereit bist, zu leben.
Sie sitzt auf deinem Schoß, liegt ganz dicht bei dir, umfängt dich
und schnurrt, denn:
du bist nicht ihr König – du bist du.

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