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BRANDENBURGER TOR

3 Jun

Neulich überfiel mich

eine krude Angst

als ich durch das Tor ging

auf die andere Seite

und wieder zurück

bei all dem Glück

dass die Deutschen hatten

wovon viele träumten

was sie ausmachen sollte:

Freiheit

nur wovon?

 

Ich dachte an Heine

(denk ich an Deutschland in der Nacht)

der hindurch gegangen war

wie der GröFaZ und sein Gesocks

(wahr gewordene Prophetie)

wie Walter Benjamin

(Ursprung des Deutschen Trauerspiels)

wie Honecker

(Den Sozialismus in seinem Lauf

hält weder Ochs noch Esel auf)

wie Birne Kohl

(blühende Landschaften)

und hörte wieder das Getöse

neuer Propheten mit Aluhütchen

(Metamorphosen)

die gerne sich Faschisten nennen lassen wollen

wenn es ihrem Frieden dient.

 

Ich dachte an mein Kind

das diese Brut aus braunem Schoß

noch länger ertragen und bekämpfen wird müssen

als ich es noch kann

unser aller Schuld.

 

Was haben wir versäumt

wenn  Nobelpreisträger den Frieden lassen werden wollen

der mich und meines gleichen

ins Meer zurücktreibt?

 

Hilft es

nicht mehr durch das Tor zu gehen?

Fart back (raging slamery)

22 Jul

Faulige Farben auf schimmligen Flecken verteilt,
verurteilt zum Gestank
und zum Dank
gibt es Besitz statt Liebe.

Wir gehören immer noch dem Sumpf,
werden gehalten so stumpf,
niemals scharf
und jeder darf
über und überspielen,
drüberschießen von Zielen
wenn es nur den Apperaten nützt.

Lasst uns mal schön weiter lügen mit den Lügen
weitermachen
in solchen schön hässlichen Existenzsachen,
wie es niemandem gefällt
(Welt regiert durch Geld),
und doch schreien alle (auf):
HURRA,
es leben Erich und die Angela.

Wir krümmen uns unter falben und gegenseitigen Schamesblicken,
der Bademeister spricht:
Hauptsache was zu ficken,
und wir haben immer noch nicht
das Kommando auf den Kommandobrücken,
schleppen uns an morschen Krücken
durch das Maschinendeck,
belächelt vom Banker
geht das Schiff
vor Anker
am Riff
… und die Stimmen der offiziellen Sprecher klingen nicht mal verkehrt,
wenn sie uns erzählen, dass man immer noch fährt!

Ich will nicht mehr auf den Tag warten,
an dem die Kette von selber reißt,
„blühender Garten Mensch“ vom Politiker, vom Hai der Finanzen, vom Magnaten des Öls und den Herren der Diamanten
zugescheißt,
zuviele Stricke um Hälse noch nicht gerissen,
ich schwöre, ab heute wird zurückgeschissen!

1987/2013

AUF & DAVON AUS DEUTSCHLAND (almost desperate slamery)

2 Apr

Ich bin auf und doch schon

noch nicht davon.

Ich soll vertrieben werden

von diesen Erden

in Deutschland,

zurück ins Meer,

geht es nach denen

und jenen,

die mich ‚ungläubig‘ nennen

mich aber nicht kennen,

von diesen, die verrückt spielen,

auf mich zielen

mit ihren Hobbys.

 

Ich bin auf und doch noch nicht davon,

liege nicht mehr, aber schon aufgestanden,

den Schlüssel in der Hand,

die Schatten schon an der Wand,

die Tür auf schon einen Spalt,

noch ein letzter Halt,

aber doch schon

noch nicht davon.

 

Ich hab‘ einen Schuh schon an einem Fuss,

einen Arm schon in der Jacke,

den Schal um den Hals

(wie eine Schlinge),

aber noch nicht gebunden –

den Weg haben sie noch nicht gefunden.

Ich bin auf, aber doch schon

noch nicht davon.

 

Soll ich gehen

oder stehen

bleiben,

darauf warten,

dass sie mich vertreiben

mit Waffen im Anschlag

und im Kopf die Messer,

ist es da nicht besser,

zu gehen auf & davon?

 

Ist das die Saat

und die Tat

der Augsteins

und

Polenz‘

und

Grass‘,

die Hass

mit letzter

oder

erster Tinte schreiben,

um zu bleiben,

um zu bestehen,

sich anzubiedern

an schießende Mädchen

zwischen den Berliner Stelen,

deren Schüsse mich nicht verfehlen

sollen wollen?

 

Die Saite ist gespannt,

aber nicht gestimmt.

Die Seite ist gelesen,

aber noch nicht umgeblättert.

Der Countdown erst bei Drei

und noch nicht vorbei,

doch die Wunde blutet schon unterm Verband

der deutschen Demokratie,

der letzten Hand

des verwehenden Atems auf der Zielgeraden

von Propagandapfaden.

Ich bin auf, aber doch schon

noch nicht davon.

 

Die Welle sieht das Ufer schon,

aber sie kann noch nicht brechen.

Noch kein Flammenmeer auch,

aber schon genügend Rauch.

Die Glocken schwingen,

die Scharniere singen,

doch es gibt noch kein Läuten dabei –

wie war das noch: Arbeit macht frei.

 

Ich werde ihnen

nicht das Feld überlassen,

ihrem Hassen,

ihrem Lachen,

ihrer Endlösung

meiner, unserer Verwesung,

nicht ihrem Zynismus,

ihrem Faschismus,

nicht ihrer Scheinheiligkeit,

nicht ihren Schatten der Zeit,

nicht ihrer Dummheit

noch ist es nicht soweit,

aber merkt euch:

Wir sind auf, aber längst nicht davon,

auf und nicht davon.