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BLAUE STUNDE

6 Jul

Langsam schließt der Tag die Tür
Und der Westen versinkt im Glühen
Purpurwolken über mir
Und in den Augen letztes Blühen

Im Fieber lag die Welt noch eben
Und jene feierten das Morden
Autoradioleben
Sind zu Grabesstille geworden

Zwischen Bäumen geht ein Wind
Und das Rauschen verweht ganz sacht
Irgendwoher lacht ein Kind
Das Morgen ist aus Träumen gemacht

Unsre Zeit ist Plus Minus Null
Und im Süden wird geschossen
Blutgetränkter Mull
Tränen werden nicht mehr vergossen

Östlich steht der Mond schon fahl
Die Straßen dunsten im Treiben
Unvergleichlich ein letztes Mal
Soll ich gehen oder bleiben

BRANDENBURGER TOR

3 Jun

Neulich überfiel mich

eine krude Angst

als ich durch das Tor ging

auf die andere Seite

und wieder zurück

bei all dem Glück

dass die Deutschen hatten

wovon viele träumten

was sie ausmachen sollte:

Freiheit

nur wovon?

 

Ich dachte an Heine

(denk ich an Deutschland in der Nacht)

der hindurch gegangen war

wie der GröFaZ und sein Gesocks

(wahr gewordene Prophetie)

wie Walter Benjamin

(Ursprung des Deutschen Trauerspiels)

wie Honecker

(Den Sozialismus in seinem Lauf

hält weder Ochs noch Esel auf)

wie Birne Kohl

(blühende Landschaften)

und hörte wieder das Getöse

neuer Propheten mit Aluhütchen

(Metamorphosen)

die gerne sich Faschisten nennen lassen wollen

wenn es ihrem Frieden dient.

 

Ich dachte an mein Kind

das diese Brut aus braunem Schoß

noch länger ertragen und bekämpfen wird müssen

als ich es noch kann

unser aller Schuld.

 

Was haben wir versäumt

wenn  Nobelpreisträger den Frieden lassen werden wollen

der mich und meines gleichen

ins Meer zurücktreibt?

 

Hilft es

nicht mehr durch das Tor zu gehen?

Was mal gefragt werden muss, lieber G.G.! (der Grass, der Günter)

7 Apr

Wo bleibt Dein Aufschrei jetzt, G.G.?

Liegt er vielleicht nur verborgen unterm letzten Schnee?

Kämpft er vielleicht nur noch mit dem Frost

aus dem ach so fernen Fernost?

 

Wo bleibt Deine ‚Lyrik‘ jetzt, G.G.?

Ist sie erschallt und schon zertreten von Kim Jongs kleinem Zeh?

Bist Du zum öffentlich-lyrischen Schämen schon zu taub,

die allerletzte Tinte im Tintenfass schon Staub?

 

Wo bleiben Deine Worte jetzt, G.G.?

Müsstest Du nicht heulen über den nuklearen Klee,

in einem haltlos ungereimten Gedichte?

Oder liest Du am Ende gar keine Zeitungsberichte?

 

Wann fängst Du wieder an zu geDichten, G.G.?

Wann schenkst Du uns wieder einen lyrischen Dreh,

um zu sagen, was gesagt werden muss,

jedes Wort ein Hammerschlag, ein treffsichrer Schuss?

Wann hören wir wieder was von Dir, G.G?

 

Ist Deine letzte Tinte wirklich schon verbraucht, G.G.?

wenn man in Syrien mordet und versteh‘

ich Dein Schweigen darüber richtig:

Dir ist das alles gar nicht so wichtig,

nobelpreistragender Antisemit G.G.!

 

Wir wollen Deine Ruhe nicht stören zwischen Luv und Lee, G.G.

Wahrscheinlich folgt bald Dein Beweis, dass sich die Erde verbiegt

und Nordkorea eigentlich in Israel liegt,

Syrien von Juden unterwandert ist

und Du somit der letzte Mohikaner bist.