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AUF & DAVON AUS DEUTSCHLAND (almost desperate slamery)

2 Apr

Ich bin auf und doch schon

noch nicht davon.

Ich soll vertrieben werden

von diesen Erden

in Deutschland,

zurück ins Meer,

geht es nach denen

und jenen,

die mich ‚ungläubig‘ nennen

mich aber nicht kennen,

von diesen, die verrückt spielen,

auf mich zielen

mit ihren Hobbys.

 

Ich bin auf und doch noch nicht davon,

liege nicht mehr, aber schon aufgestanden,

den Schlüssel in der Hand,

die Schatten schon an der Wand,

die Tür auf schon einen Spalt,

noch ein letzter Halt,

aber doch schon

noch nicht davon.

 

Ich hab‘ einen Schuh schon an einem Fuss,

einen Arm schon in der Jacke,

den Schal um den Hals

(wie eine Schlinge),

aber noch nicht gebunden –

den Weg haben sie noch nicht gefunden.

Ich bin auf, aber doch schon

noch nicht davon.

 

Soll ich gehen

oder stehen

bleiben,

darauf warten,

dass sie mich vertreiben

mit Waffen im Anschlag

und im Kopf die Messer,

ist es da nicht besser,

zu gehen auf & davon?

 

Ist das die Saat

und die Tat

der Augsteins

und

Polenz‘

und

Grass‘,

die Hass

mit letzter

oder

erster Tinte schreiben,

um zu bleiben,

um zu bestehen,

sich anzubiedern

an schießende Mädchen

zwischen den Berliner Stelen,

deren Schüsse mich nicht verfehlen

sollen wollen?

 

Die Saite ist gespannt,

aber nicht gestimmt.

Die Seite ist gelesen,

aber noch nicht umgeblättert.

Der Countdown erst bei Drei

und noch nicht vorbei,

doch die Wunde blutet schon unterm Verband

der deutschen Demokratie,

der letzten Hand

des verwehenden Atems auf der Zielgeraden

von Propagandapfaden.

Ich bin auf, aber doch schon

noch nicht davon.

 

Die Welle sieht das Ufer schon,

aber sie kann noch nicht brechen.

Noch kein Flammenmeer auch,

aber schon genügend Rauch.

Die Glocken schwingen,

die Scharniere singen,

doch es gibt noch kein Läuten dabei –

wie war das noch: Arbeit macht frei.

 

Ich werde ihnen

nicht das Feld überlassen,

ihrem Hassen,

ihrem Lachen,

ihrer Endlösung

meiner, unserer Verwesung,

nicht ihrem Zynismus,

ihrem Faschismus,

nicht ihrer Scheinheiligkeit,

nicht ihren Schatten der Zeit,

nicht ihrer Dummheit

noch ist es nicht soweit,

aber merkt euch:

Wir sind auf, aber längst nicht davon,

auf und nicht davon.

UND SONST SO? (raging slamery)

3 Feb

ist noch was von interesse?

haben wir denn keine träume mehr?

ich meine, so wilde, so zarte – so leicht und schwer,

in den nächten und an den tagen

lernen zu lernen, es zu ertragen?

drehen sich die gedanken

nur noch in den schranken

von rechthaben und stürmen

von scheiße scheißen auf jeden

der anders denkt und türmen

sich ein paar ‚buhs‘ schon

zu immer neuen mauern

die wir betrauern?

und sonst so

ist was von interesse?

die nächste und oder hässliche fernsehfresse,

der nächste skandal

zwischen urheberrecht

und meinungsgeflecht?

denken wir manchmal

noch an was anderes

als nur uns durchzusetzen

und hetzen

dabei durch das leben,

das nur noch krieg ist

zwischen denen, die dumme Augsteins hofieren

und diesen, die auf jene schießen?

zwischen den börsenstieren

rund um die welt,

zwischen denen, die es haben – das geld

und jene, die ihre fäuste dagegen

an ihren herzen blutig klopfen?

zwischen diesen, die vom hohen moralischen ross

alltäglichen sexis-, rassis-, chauvinis-, materialis-,

antisemitis- und jedes anderen – mus‘

in granaten ihre macht der deutschen seele

auf jene feuern

auf der anderen seite der barrikade

und dabei beteuern

kein frieden ohne blockade?

und sonst so

ist noch was von interesses,

außer das muster der anordnung

von leckereien auf tellern,

der regen im winter,

nur noch das ‚davor‘

und nicht mehr das ‚dahinter‘,

nur noch die anzahl,

der nach oben gereckten daumen

für kryptische botschaften

wilder bilder,

für zahlen von wahlen,

für bloggermädchen

in den geistig kleinen städtchen,

die ihre fähnchen

versuchen auf wellen zu treiben,

zwischen eitel- und befindlichkeiten

und hoffen darauf zu großem geld zu reiten?

und sonst so

ist noch was von interesse?

außer

der nächste schnelle fick

im nächsten schnellen augenblick?

außer

die brechreizende, gute laune

der radioschwätzer am morgen?

außer

die feuchten furze der feuilletonfaune

aus dem after eingebildeter sorgen?

außer

die achselhaarnässe der realitystars

in dekorationen aus dschungel und szenebars?

und sonst so?

ÜBER MORGEN (desperate slamery)

5 Nov

Jede Nacht verbrennt der Tag

zur Hoffnung über Morgen –

grandios zu starten,

grandios zu warten,

zu fallen,

zu lallen

und

rund heraus

grandios zu scheitern.

Weitergehen,

weiter sehen

als bis gestern,

in den Nestern

der Übergestern

hocken zahllos

schon die Übermorgen,

dicht an dicht,

nicht neben nicht

als hungrige Mäuler,

überzweifelt

die Rachen aufgerissen.

Überschrien

liegen die

Lachen in Lachen

zusammen,

der Fuß der Zukunft

stampft

mit Unvernunft,

der Mund des Überübermorgen

mampft

die Zeit so weg.

Sieht denn niemand

jemand

irgendwas

als nur das schwarze Loch

und immer noch

verweht,

vergeht

das Übermorgen

und

keiner will verstehen:

das Heute.

BILD der BILDER (crazy world slamery)

2 Nov

Die ganze Welt ist

verrückt,

ausserhalb des Rahmens,

ohne Erbarmen,

und manche von uns

sind darüber entzückt,

wie verrückt

die Welt ist.

 

Alles ist nicht mehr am Platz,

da, wo es hingehört,

es ist verrückt,

wo es wohl nicht mehr stört

und so für die Katz.

 

Männer werden hingerichtet,

anderen Kriege angedichtet,

Aleppo liegt in Scherben,

Märtyrersöhne ins Verderben

geboren,

als Kind schon geschworen

Rach zu nehmen für was?

 

Banker werden immer kränker,

die Sucht nach Giersucht

sucht

weiter die Welt zu verrücken,

näher an den Abgrund

und

wird sie zu Fall bringen –

keine Messen mehr zu singen.

 

Politiker sprechen ihre Sklavensprachen,

öffnen weit den Rachen,

für’s Lügen,

für’s Betrügen,

für’s Sterben,

für’s Erben…

die Claque,

fuck,

jubelt dazu

an den Privatstränden,

auf den Privatstraßen,

auf den Privathügeln,

an den Privatseen,

unter den Privathimmeln,

in ihren Privatwelten,

auf ihren Privatbrücken

sie sind rot, braun, schwarz,

grün, gelb und voller Entzücken.

 

Die Bilder der Bilder

verwehen zu Worten

an Orten,

werden ertauben

zu frablosen Stauben –

nichts mehr erkannt:

Kein Mensch. Niemand.

Матери Марии, избави нас от Путина! Mutter Maria, erlöse uns von Putin (FREE PUSSY RIOT slamery)

18 Aug

Despoten brauchen immer mal ein Fest

mit Trompeten, Schall der Macht,

auch Rauch

und die Ikone wacht

und steht,

die Fahne weht

wie ein magisches Tuch,

(daneben Bibel

neben Gesetzbuch)

gegen den Wind,

das himmlische Kind,

in allen Farben

von Schwarz bis Gold,

von Weiß zu Rot und Blau,

keuchend, schwitzend, spuckend,

(Gesichter in Grau)

senken sich die Lanzen gegen Sold,

im Saal der Roben

ist oben immer noch oben,

die Richterin pfeift

und vor den Mauern stürmen

die Gladiatoren in blauen Uniformen –

(man trägt Masken aus Ordnung und Gesetz)

peitschen krachend aufgereiht

in die Reihen,

die Schwanengesänge türmen

sich in haufenweise

staatstragenden Kehlen:

Freiheit stehlen,

Zar Wladimir,

erlöse uns!

So würdig folgst deinem Vorfahrn,

deinem Herrn

im Geiste

so gern,

so her und hin,

du kleiner Stalin.

Und jetzt kann alle Welt es sehn:

wie dreckig muss es IHM doch gehn,

dass ER ab und zu eben

Jekaterinas,

Marias,

Nadeschdas

in die Bäuche treten muss,

um zu überleben.

BÖSE (evil slamery)

13 Aug

wir haben das BÖSE gesehen

in allen kostümen kam es

in lumpen & roben

in anzügen & bikinis

in badehosen & mänteln

 

das BÖSE trägt talare & uniformen

mit handschuhen aus leder & wolle

in stiefeln hausschuhen sandalen

 

das BÖSE schminkt sich

wie ein clown

wie ein vamp

es kommt in masken

tränenreich & zur ewigkeit

erstarrtes lachen in blässe

seine frisuren sind bizarr

streng gescheitelt

geflochtene zöpfe

glatzen

dauerwellen

helme von haarspray

seine augenbrauen sind gezupft

buschig striche blassblond

schwarz die wimpern oder rot

federn der dunkelheit

trägt es im haar

bei tag & nacht & tag für nacht

nacht für tag & woch für woche &

monat bei monat & jahr für jahr &

leben für leben

 

das BÖSE …

der körper

glatt weich geschmeidig

die nägel

lackiert abgefressen schartig

gefeilt geschnitten

das geschlecht

rasiert unrasiert traurig froh

der schweiß

ein duft aus moder moos blumen

jahreszeiten & sterben

geburt & gleichgültigkeit

wir haben das BÖSE gesehen

wie es tanzt

schreitet

kriecht

musizierend trinkend & gierig

wie es glotzt aus den augen

der henker & der befehlshaber

in den liedern der bomben & raketen

 

wir haben das BÖSE erkannt

in den worten

der generäle

der kanzlerInnen

der präsidentenInnen

der bankerInnen

von schwarzen

weißen

religionen (päpsten mullahs rabbis priestern gurus)

&

in sendern

verlagen

redaktionen

geschäftsführerInnen von aktiengesellschaften

gmbh(s) & co.kg(s)

in kommentaren

statements richtlinien gesetzen verfassungen

essays gedichten verlautbarungen &

am ende von briefen &

faxen

in den faxen der clowns der welt

politik

 

wir haben das BÖSE erkannt

in den händen

der wal- elefanten- menschenschlächter

der braunen flut

der grünen fahnenträgern

in wüsten

gulags

wäldern

 

das BÖSE wohnt

in häusern wohnungen palästen hütten

in bars in küchen in fluren des gestern

wir drohen am BÖSEn zu ertrinken

in seinen meeren seen flüßen pfützen

aus traurigkeit & wehmut

es schmeckt

nach bitterkeit & süße

seine explosionen

von lachen haben uns zerfetzt

wir haben das BÖSE gesehen

seine schönheit

hat uns hässlich gemacht

sein gewand

hat uns umhüllt

sein hut

unsere augen bedeckt

sein flüstern

hat uns verstummen lassen

 

bis jetzt ist

das BÖSE

das tier der unvernunft &

es schärft seine krallen an unseren herzen

an der innenseite unserer köpfe

zerbeißt seelen

es trägt namen

neid hass

rechthaberei

hinterfragerei

besserwisserei

einsamkeit

lieblosigkeit

herzlosigkeit

 

das BÖSE ist

MANIFEST (political slamery)

11 Jun

Ihr Schreiberdichter und

Wortaggrobaten,

ihr Maler,

Bildhauerskulpturisten,

Schauspieler,

Kinemato- und Fotographen,

Televisonäre,

Musiker,

Tänzer,

Künstler,

Menschen,

die Ihr Euch jeden Tag müht,

die Ihr Euch krummlegt,

die Ihr einen einsamen Kampf

kämpft jede Stunde und Minute,

auch, wenn Ihr schlaft

noch schafft,

unermüdlich menschlich.

Jetzt:

gegen die Macht des Enterns

die grauen Träger aller Bedenken,

gegen die Leerfeger,

die Umsonstpiraten,

die uns verraten,

die Gremien und Anstalten,

die uns verwalten

in Ausschüssen und Vereinen,

uns Leben für Leben verneinen,

die Bedingungen diktieren

und uns so schön allmählich erfrieren,

uns an ihre Tröpfe legen,

und immer weiter und wieder gegen

uns agieren, agitieren,

wir sollen an sie alles verlieren.

Endlich unendlich

das Kanu selbst zu steuern,

unsere eigenen Kessel befeuern,

die herrenlosen Paddel schwingen,

die Segel setzen,

lasst die Kanonen sprechen,

die Planken der Anstalten zerbrechen,

die Anstalten machen,

Sirenenlieder zu singen.

Schreibt nicht mehr,

nur für einen eurer Tage,

malt und spielt nicht mehr,

dreht nicht mehr in den ewig gleichen Kreisen

für die schon toten Gedankengreise,

produziert nichts mehr,

was sie dann verschenken,

damit sie verdienen,

was sie verdienen,

beginnt damit aufzuhören

zu denken.

Für Euch, uns alle ist es an der Zeit

seid vorgestern und seid bereit

geht, als wäret Ihr geblieben

für einen neuen großen Frieden.

Bloggermädchen (cynical slamery)

8 Jun

Zwei Meter kleine und eins fünfzig große Mädchen schreiben

Selbsterfahrungsberichte (und wie),

plündern ihre so schmale Biographie

um so großklein und kleingroß zu bleiben,

sie sind um die dreißig – minus plus,

es will ja nicht, es muss,

sie essen kein Fleisch,

trinken dafür auch kein Bier,

rauchen auch Gras mit Spaß

(so lassen sich die Schwermüte treiben

und manchmal auch so ein lustiger Hass),

sie blicken freudvoll dunkel in die Welt

und verdienen damit haufenweise schnelles Geld,

hätscheln ihre kleingroßen Depressionen,

die mit ihnen in den teuren Wohnungen wohnen,

wollen Kinder kriegen und kriegen

stattdessen Preise (nebst Hunden)

in die großkleinen Wunden,

sie wollen und können nicht genesen,

denn das wär’s ja dann gewesen

mit Geld und Preisen, Wohnung – und Hund

und wollen aus demselben Grund

nicht irgendwas oder irgendwen lieben,

lassen sich fotografieren in herrlich trauernden Posen

(in Röcken manchmal, manchmal Mänteln, manchmal Hosen,

mal blond, mal brünett, mal mit Locken, auch mal glatt,

da weiß es ja, was es ja hat),

sie streunen todmüde hellwach bei Nacht

streunenden, todmüde hellwachen Träumen nach

sogar bis ins Bett

und das nächste Ziel ist ganz groß

(Boss zu sein wär‘ mal ganz nett),

da kotzt die ewige Kindfrau

in Talkshows im TV,

im Radio,

in ihren Büchern und Blogs das ab,

was sie für eine Meinung hält,

im Falle eines Falles,

legt sie sich in jedes Grab

und scheißt einfach auf alles,

jede Menstruationsbeschwerde wird auf youtube gepostet,

jede Therapiestunde von exklusiven Agenturen gehostet,

jeder Furz, gefurzt im Schlaf der Besserwisserei,

jeder Rülpser, gerülpst mal so nebenbei,

wird noch irgendwo eingestellt

und bedeutet für sie und die Claque die großkleine Welt,

sie füttert ihr Ego beliebig an allem und jedem :

an Nachtwächtern, Freunden und Fremden,

selbst an ihren kunstvoll durchlöcherten Unterhemden,

sowie großen Männerunterhosen,

noch mit jeder Gasuhr

ist sie lässig, cool und stur,

nur –

von wo nach wo sie alle fliegen

in die Abgründe wie Lemminge,

einer nach dem anderen

dem anderen nach, ach:

ihr schönen, kleingroßgroßkleinen Mädchen

bleibt so, wie ihr seid,

haut weiter auf die Kacke ganz laut,

werdet so bloß niemals so ganz leise,

ihr seit schon, was ihr schon seit:

krummgestammelte, kindliche Greise.