Archive | April, 2015

TAGE IN HELLBLAU (konjunktivisch)

5 Apr

Verlörest du dich doch manchmal noch in die Falten der Erinnerung

an die Sekunden der unbeschreiblichen Stunden in den Wäldern?

Lägest du vielleicht (so wie ich) zwischen den Seiten der Bücher,

in denen die Worte sich reihten wie Berge am Horizont?


Kämest du (möglicherweise nur im Ahnen) noch immer an die Stege,

wo das Wasser wispernd nach uns rufen würde: Kühle mich mit deinem Herz?

Versenktest du dich hin und wieder in die Wolkenkissen über dir,

in denen wir die lichten Tage ohne Ewigkeit verträumten könnten?


Sähest du noch nach den Winden, die im Uferschilf schlummerten,

wärest du ab und zu noch ein Gast im Rauschen ferner Sommer?

Mein Atem hauchte gegen Zeit und verlöre allmählich den Zorn,


das ungeheuer große Dunkel würde ganz langsam ein kleines Grau.

Der Schatten deines Schattens verlöre sich im Spiegel des Spiegels

und über den Türen hingen also noch die großen Tage in Hellblau.

BLAUE PFERDE ROTE REHE GELBER HUND IM SCHNEE DER TIGER   (zu Franz Marc)

3 Apr

So stolz, die Rücken gestreckt und die Nüstern gebläht,

erkennen die Blauen Pferde das Leben, so spät

durchschleichen die Roten Rehe witternd den Wald,

über allen die Wolken und die Nacht schon sehr bald.


Auf einem Flecken von Schnee ein Gelber Hund,

den Kopf zum Schlaf gebettet, in Ruhe und

Gelassenheit wartend, verträumend der Tage Last,

dem Sommer entgegen in dieser kleinen Rast.


In Kuben gekauert, keine Himmel mehr sehend,

Der Tiger, seit Wochen fast nur noch flehend

um Erlösung aus dem Reigen von Fressen und Leben:

Du, Mensch, verzeih mir, ich hab mich ergeben.