Archive | November, 2014

NUR EIN EINDE

25 Nov

Die Hände beginnen sich miteinander zu langweilen,

sie nehmen sich eine Zigarette,

sie verweilen im Rauch

wie die beiden Menschen jetzt auch.


Der kurze Rausch ist vorbeigerauscht,

kein Geräusch mehr im Kopf,

kein Sturm mehr, kein kleiner Wind.

Das Glück – von Traurigkeit ein Kind.


Die Nebel lichten sich langsam,

der Regen gewinnt gegen den Tag.

Ein kleines Wort kämpft sich aus den Seelen heraus:

Aus.

ELEGIE

23 Nov

That I should know your face my love

Like sorrow knows the dying dove

That I should hold you to my breast

Come back to me is my request.



My own true love remember me

When once again my eyes you see

My heart lies in a darkened place

Where you should know my weary face.



I’ll search for you on every shore

To hold you in my arms once more

I’ve travelled down this long hard road

And I’ll not ever let you go my broad.



I know your face my love at best

Come back to me is my request.

NOVEMBER

22 Nov

Unter meinem zugigen Fenster

weht es kühl herein –

Schritte,

Fetzen von Sätzen,

ab und zu Gebell –

auf meinem Schreibtisch,

der dort steht,

ist es schon nicht mehr hell.

Deine Worte liegen ausgebreitet vor mir,

zerknittert, verschmiert, verbogen

als hättest du sie eben

aus dem Schoß gezogen.

Sie sprechen die Sprache

der Messer im Wind unter Wasser,

eines Landes hinter dem Mond,

und ritzen meine Augen:

Blutiges Tränenzeug mit Rotz.

Ich habe alles hinausgebracht:

Lächeln, Musik, das Versprechen

und das VerSprechen.

Nichts mehr,

nur noch ein bisschen Lug und Trug

steht im Zimmer rum

und lässt sich nicht entsorgen.

MEIN KIND

19 Nov

Ich bitte dich
um nichts für mich,
Universum, Schicksal, Herr,
nur für mein Kind, so sehr,
bitte ich um Liebe,
Glück und Licht,
um vielmehr bitte ich dich nicht.

Vielleicht auch das hier noch:
lass mein Kind im Frieden leben,
mit Feunden und viel Zuversicht,
mit klugem Verzicht,
und nur kleinen Beben,
um mehr bitte ich schon nicht.

Beschütze es,
wenn ich es nicht mehr kann
und lass mich dann und wann,
von dort, wo ich dann bin,
es sehen und mich wissen
und es weiter vermissen.

DIE EINSAMKEIT

18 Nov

Ich habe die Einsamkeit gesehen.
In allen Kostümen kam sie:
In Lumpen und Roben,
In Anzügen und Bikinis,
In Badehosen und Pelzmänteln.
Die Einsamkeit trug Talare und Uniformen,
Mit Handschuhen aus Leder und Wolle,
In Stiefeln, Hausschuhen, Sandalen.

Die Einsamkeit schminkt sich.
Wie ein Clown.
Wie ein Vamp.
Ich habe ihre Masken gesehen.
Tränenreich und zur Ewigkeit
Erstarrtes Lächeln in Blässe.
Ihre Frisuren: bizarr.
Streng gescheitelt.
Geflochtene Zöpfe.
Glatzen.
Dauerwellen.
Helme von Haarspray.
Ihre Augenbrauen sind gezupft,
Buschig, Striche, blass, blond,
Schwarz die Wimpern oder rot.
Sie streicheln meine Haut.
Federn der Dunkelheit
Trägt die Einsamkeit im Haar.
Bei Tag und Nacht, Tag für Nacht, Nacht für Tag.

Ich habe die Einsamkeit gesehen.
Ihr Körper:
Glatt, weich, geschmeidig, gebräunt, käsig.
Ihre Nägel:
Lackiert, abgefressen, schartig, gefeilt, geschnitten.
Ihr Geschlecht:
Rasiert, haarig, traurig, stinkend, rosig.
Ihr Schweiß:
Duft aus Moder, Moos, Blumenwiesen.

Ihre Zeit sind die Jahreszeiten und das Sterben,
Geburt wie Gleichgültigkeit.

Ich habe die Einsamkeit gesehen.
Tanzend, schreitend, kriechend, rennend,
Musizierend, gierig trinkend, gierig lachend, gierig weinend.

Ich habe die Einsamkeit erkannt.
Sie konnte sich nicht verstecken in dem stillen Wehen
Über einer ausgelassenen Gesellschaft,
Nicht in Häusern, Wohnungen, Palästen, Hütten,
Nicht in Bars, in Küchen und Fluren des Gestern.

Ich habe die Einsamkeit getrunken.
Wie aus einem Kelch voller Meere.
Aus Traurigkeit und Wehmut.
Sie geschmeckt bis zur Neige.
Ihre Bitterkeit und Süße.
Ihre Explosionen.

Sie kam als Kugel aus den Gewehrläufen der Abschiede.

Sie kam als Freundin, Geliebte, Mutter.

Ich habe die Einsamkeit gesehen.
Ihre Schönheit:
Hat mich hässlich gemacht.
Ihre Umarmung:
Hat mich erfroren.
Ihr Hut bedeckt meine Augen.
Ihr Flüstern bei einem Walzer:
Hat mich verstummt.

Ich bin die Einsamkeit.

ICH BIN

17 Nov

… mein Feind und mein Freund zu gleichen Teilen

und ungleich schiebe ich Wellen vor mir her,

wie Monster in Häusern und Köpfen verweilen –

nur keine Eile mit Weile am Seile. So sehr

verlangt es mich Regen und Wind und Schnee

zu kosten, zu schlucken, zu fressen

und am Ende der Welt zu vergessen:

das Hetzen über den grünen Klee.

ICH BIN …

… die Einsamkeit im letzten Schluck Kaffee,

ich nehme den letzten Zug – an deiner Zigarette,

die mir im letzten Licht über dem See

den letzten Moment versaut,

die letzten Träume verbaut,

die letzten Illusionen raubt,

mir das letzte Mal eine runter haut,

mir die Augen aus den Höhlen klaubt

und meine Ohren ertaubt.

ICH BIN …

… nur zu weit ins Zuweit gekrochen,

bin da gelandet und versandet,

wo G’TT seine Schuhe verliert.

Hab kleine Verbrechen erbrochen,

wo die große Verbrecherin,

als Kannibalin regiert.

ICH BIN …

… kein Wohl, kein Wehe, kein Leid,

kein Lachen und bloß kein Neid,

jetzt ist es soweit,

kein Land, nicht mal ein Ort und keine Zeit,

immer und überall bereit,

kein Lied mehr, kein Psalm, kein Gar

und kein Nichts, nur war ich ein War,

im Leben mit Möglichkeit

zur Regenwahrscheinlichkeit,

bei 98° Fahrenheit.

ich kann mich nicht bewegen

13 Nov

ich kann mich nicht bewegen

kein millimeter weit jeder gedanke fällt

in meinen leib zurück und gegen

den strom verlier ich und stellt

sich mein alles mein kopf mein leib

es geht nicht mehr hin noch her

bleib bleib bleib

so schwer

wünsch ich mich dich mehr

bei mir

ein kleines wir

zu uns zu mir

atemlos

auf los

bitte

in meine mitte