Archiv | August, 2014

KOPFSTIMME BERLIN

16 Aug

Deine Gesang ist raureif

und dein Dialekt aus Schlamm,

deine Zähne sind faul,

die Seele ist schief,

deine Haare zerzaust,

du bist mein Picknick um Mitternacht.

 

Deine Klamotten sind ungewaschen

und stinken immer noch nach Trabbibenzin,

deine Hände: zu groß und rissig,

deine Küsse: zu derb

und viel zu nass,

du bist mein Traum ohne Schlaf.

 

Dein Trost ist ganz umsonst

und dein Zuspruch ist nichts wert,

dein Herz: aus Currywurst,

das Blut: aus Molle und Korn,

deine Augen: freudentränenblind,

du bist ein altkluges Kind.

 

Und deine Liebe ist wie Koks,

ich häng‘ dran wie am Seil,

dein Erbarmen: geheuchelt,

dein Lachen: verloren, du bist

mein Antwort ohne eine Frage.

DAS GLÜCK KANN KEINE INSEL SEIN

14 Aug

Verrichte die letzten Dinge:

lösch‘ die Lichter,

hol‘ die Segel ein

und mach‘ die Leinen fest,

zahl‘ die Mannschaft aus,

denk‘ auch an den Lotsen

und den letzten Stein –

das Glück kann keine Insel sein.

 

Soviel weggebrannt und

umgerannt, niedergewalzt

von diesem schwarzen Sturm,

sowenig bewahrt und verwahrt,

die Ladung ging über Bord

mit den Ratten treibt sie dort

auf die Sandbank zu, ganz klein –

das Glück kann keine Insel sein.

 

Zurr‘ die Persenning fest,

und betrete den morschen Steg,

verabschiede dich vom Hafenmeister,

schau ihm in die Augen dabei,

lüge nicht, schenk ihm reinen Wein ein –

das Glück kann keine Insel sein.

 

Erst im Schwanken des Gangs

auf ungewohnt festem Boden

finden sie sich wieder:

Erkenntnis und Scham,

DU warst so schwer zu erlangen

und so leicht zu verlieren,

gehe schwer, doch hell und rein –

Glück kann keine Insel sein.

VERMISSEN

13 Aug

Davon, dass ich dich vermisse,

schmerzt mein Leib so sehr,

jeden Tag ein bisschen mehr,

haben alle Wege Risse.

 

Das Gehen war nicht schwer,

vielmehr ist es jetzt

das Nichtwiederkommen und zuletzt

stehen alle Häuser leer.

 

Manchmal Lachen geht schon wieder

und den Blick erheben auch,

manche Tränen sind nur noch vom Rauch

und vom leisen Singen unsrer Lieder.

 

Davon, dass ich dich vermisse,

geh ich fast verloren,

dröhnend in meinen Ohren:

die nie geküssten bittersüßen Küsse.

SIP OF SUN

12 Aug

Take a sip of sun with you

into the winter’s soul

it’s help to dream too

and let yourself make

a smoothy roll to take

the remembering the summer sun

the warm breezes on your skin

all those lightly things that’s gone

 

Pick yourself togehter

watch the things behind

think about whatever

it isnt a sin to be fine

it isnt realy a sin to be

in someones mind

 

Take a saucer full of secrets with you

into the coldest place of you

it’s protect and gives a clue

what’s the fires means

who’s the fool how it’s seems

to have more as two dreams

to give yourself away

meanwhile to stay

 

look like an ashtray so dirty

talk and walk like a man

lift up downward and then

be what you’re be – guilty

 

Pick yourself togehter

watch the things behind

think about whatever

it isnt a sin to be fine

it isnt realy a sin to be

in someones mind

MORGEN SONETT

6 Aug

Mit einem Knall zerschlägt der Morgen mächtig

mein Fenster, an meinen Lidern zieht das Licht,

die Haare stehen mir zu Berge, prächtig:

aufstehen, aufstehen oder nicht?

 

Mein Spiegelbild streckt mir lang die Zunge raus,

die Dusche kämpft gegen meine Gesänge,

von denen dröhnt jetzt das große morsche Haus

in ganzer Breite und in ganzer Länge.

 

Splitterfasernackte  und sturzverliebte

Gedanken schlagen heiter Purzelbäume,

übermütig pfeift der Kessel, zerstiebte

Tropfen tanzen durch kaffeeduftende Räume.

 

Das Frühstück ins fertig, Autos hupen nett,

am besten, ich geh danach wieder ins Bett.

HERZ WUNSCH

1 Aug

Manchmal wünscht man sich so sehr,

dass das Herz auch kotzen kann,

wie es die Augen machen,

heulen sie sich leer –

so dann und wann.

 

Wenn das Herz bricht, ist es still,

wie in einem Massengrab,

nicht mal der Wind kann pfeifen.

An Sehnsucht überfressen, will

es nicht mehr geben, was es gab.

 

Bis zum nächsten der Gelage

ist es nüchtern und bedacht.

Es schlägt mit großer Vorsicht,

doch am Ende der Tage

wird es wieder besoffen gemacht.