Archiv | Juni, 2014

STILL STEHT DIE ZEIT

15 Jun

Still steht die Zeit

An Tagen wie diesen

Gehn Gedanken so weit

Wie Träumerriesen

 

Erinnern wir uns noch

An die Versprechen

Was blieb waren doch

Fast nur Verbrechen

 

Alles brach auf in die Demokratie

Alexanderplatz der Millionen

Mit Jetzt und Schon-Gewusst-Wie

Wollte man uns nicht verschonen

 

Die Reden drehten sich richtig

Die Sieger beschworen den Erfolg

Aus Null wurde das und nichtig

Wir sind das eine Volk

 

Nur Geld kennt keine Grenzen

Biographien so schön zerlegt

Volk – hast du Referenzen

Bevor du Selbstmord begehst

 

Still steht die Zeit

Nach 20 Jahren wie diesen

Noch immer nicht soweit

Dass wir uns leben ließen

 

Auf freier Strecke der Halt

Der Hammer immer näher schlägt

Es war schon mal da das Bald

Und wurde auf die Schienen gelegt

 

(09.11.2009)

Advertisements

ANTWORTMASCHINE

6 Jun

Sind die Nebel immer tief?

Werden die Himmel wieder rosenrot?

Wer ist es, der die Träume rief

und welche Liebe kommt noch vor dem Tod?

 

Ist immer einer irgendwo noch wach?

Ist der Sommer aus, wenn’s keine Nektarinen mehr gibt?

Was war davor und was kommt danach

und gibt es Flocken vom Schnee, der nicht stiebt?

 

Leuchten alle Augen unter Schleiern?

Ist das AMEN immer nur das allerletzte Wort?

Wie schmeckt Rauch aus kalten Feuern

und wo ist der gelobte und geliebte Ort?

 

Haben alle Engel keine Flügel?

Wer gewinnt was, wenn ein Lächeln langsam stirbt?

Stoppen Gedanken auch ohne Zügel

und was ist das, das so beständig um dich wirbt?

 

Kennst du die Wahrheit deiner Gabe?

Was macht dich stark und schön und frei zu sein?

Gibt es Zeiten ohne eine Farbe

und wirst du zu einem sagen können: „Du bist mein“?

 

Bleibt es immer so, wie es jetzt ist?

Wird sich irgendwas noch ändern, wenn ja, wann?

Willst du bleiben, was du schon immer bist

und wer fragt dich diese Frage dann?

BRANDENBURGER TOR

3 Jun

Neulich überfiel mich

eine krude Angst

als ich durch das Tor ging

auf die andere Seite

und wieder zurück

bei all dem Glück

dass die Deutschen hatten

wovon viele träumten

was sie ausmachen sollte:

Freiheit

nur wovon?

 

Ich dachte an Heine

(denk ich an Deutschland in der Nacht)

der hindurch gegangen war

wie der GröFaZ und sein Gesocks

(wahr gewordene Prophetie)

wie Walter Benjamin

(Ursprung des Deutschen Trauerspiels)

wie Honecker

(Den Sozialismus in seinem Lauf

hält weder Ochs noch Esel auf)

wie Birne Kohl

(blühende Landschaften)

und hörte wieder das Getöse

neuer Propheten mit Aluhütchen

(Metamorphosen)

die gerne sich Faschisten nennen lassen wollen

wenn es ihrem Frieden dient.

 

Ich dachte an mein Kind

das diese Brut aus braunem Schoß

noch länger ertragen und bekämpfen wird müssen

als ich es noch kann

unser aller Schuld.

 

Was haben wir versäumt

wenn  Nobelpreisträger den Frieden lassen werden wollen

der mich und meines gleichen

ins Meer zurücktreibt?

 

Hilft es

nicht mehr durch das Tor zu gehen?