DIE STILLE IN BERLIN

21 Mai

Es gibt keine Stille

Wie die in Berlin

Sie ist schrill manchmal neblig

Und verächtlich

Nimmt sie Platz in deinem Kopf

Und wabert dort her und hin

Über ganz Berlin

 

Es gibt keine Stille

Wie die in Berlin

Über die Hinterhöfe fegt sie

In winzigklein riesiggroßen Leben

In das Strahleblau des Himmels weht sie

Ist Galle und schmeckt nach Moder 

Und trifft dich k.o. auf das Kinn

In ganz Berlin

 

Es gibt keine Stille

Wie die in Berlin

Das Gurgeln der U-Bahn versinkt

Wie in Watte

Sie stinkt wie aus Schimmel und Ruß

Kommt und geht ohne Gruß

Ist aus Eisen, Staub, Beton und Zinn

In den Straßen von Berlin

 

Es gibt keine Stille

Wie die in Berlin

Millionenstimmige

Auflösung auf schmierigem Pflaster

(Rollkoffer durch die Nächte)

Wird Schmerz und sie tönt

Schreit und stöhnt

(Harfensaite der Vertreibung

 Fingriges Stottern von Reibung)

Was ich auch immer bin

In Berlin

 

Es gibt wirklich keine Stille

Wie die in Berlin

Der Müll weht stolz

In jede Ritze aus Rotze

Es schreiten die Zeiten

Verdampfen im Asphalt von Tempelhof

Die Rattenmeister singen und tanzen Tod

Von Schwarz über Gold zu Rot

In lebenslangen Sommern und Wintern

Im Eis und Pollenschnee der Pappeln

Im Klacken der Ampelmännchen

Im Regen aus Schwefel und Staub

Und das alles so laut ganz taub

Unter den S-Bahnbögen hin

Es gibt keine Stille

Wie die in Berlin.

 

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