WEG FAHREN

14 Apr

(zur Skulptur LOST von Nadja Engelbrecht)

 

Das letzte Schiff verlässt den Hafen –

unbemerkt und für immer,

während alle andern noch schlafen

im bleichen Morgenschimmer.

 

Der Bug schiebt lautlos sich hinaus,

ein Todeshauch hat die Segel gebläht.

Du verlässt den Hof und das Haus,

weil niemand mehr keinen versteht.

 

Die Masten schrammen am Himmelsblau,

die Möwen schreien nicht mehr.

Ganz leise nur summt ein Chor in Grau,

das Knarren der Spanten ist leer.

 

Unter Deck liegst du im letzten Träumen

auf einer Ladung aus Erinnerung.

Es gibt nichts mehr zu versäumen,

die Worte – nicht mehr auf dem Sprung.

 

Du hast kein Weinen mehr, kein Lachen,

das Wünschen und Trauern ist verbraucht.

Du kannst und willst nichts mehr machen,

der Zorn und das Mitleid sind verraucht.

 

 

Was du zurücklässt, wiegt nicht viel,

nur noch das Kind – vielleicht.

Fast bist du am Ziel,

du hast es erreicht.

 

An einem Ufer von schwarzem Sand

liegst du, die Augen verschlossen,

Blut vergossen,

das Herz in der Hand.

 

Bild

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