Archive | Dezember, 2013

WAS ZU MIR GEHÖRT

23 Dez

(quasi im Stil von Mascha Kaléko)

 

Manchmal ist das Wasser mein,

auch der Trog, in dem es schwimmt,

es ist klar und ungeheuer rein,

wenn es sich meine Augen nimmt.

 

Das Licht der Sonnenstrahlen,

der Sturm und auch der Regen,

die Nächte mit den Höllenqualen,

die sich auf die Seele legen.

 

Die Stille an den Morgen,

bevor die Städte schreien

und die großkleinen Sorgen,

die den Gedanken Flügel leihen.

 

Himmelblau und tiefes Rot,

dazu dieser leise Wind,

mein Flehen und mein Tod

und auch mein großes Kind.

 

Die Fragen ohne Worte,

mit denen alles beginnt,

längst vergessene Orte,

an denen wir glücklich sind.

 

In den Häusern ohne Wände

gehören mir die Dächer.

Ich schreie und beende

tausende Sternenfächer.

 

Die Sehnsucht der Sekunden,

das Verlangen nur zu sehr,

Sinn mit Tränen abgebunden,

aber du nicht mehr.

ICH BIN NIEMAND

17 Dez

 

Ich wohne in einem Land aus Nirgendwo,
in einer Stadt, die es nicht gibt, nur so
in einem Haus aus Nichts 

Ich schlafe in keinem Bett,
meine Träume werden nicht geträumt,
nur versäumt und meine Gedanken nicht gedacht.

Meine Stimme ist ungehört entfacht,
meine Worte sind ohne Bedeutung, wieviel
mein Handeln ohne Ziel.

Ich kann mich nicht bewegen,
meine Füße machen keinen Schritt,
 mit und meine Hand ist still.

Ich kann nichts Sehen oder Hören,
spüre nichts im Nichts,
bin ohne Freude oder Trauer zu stören.

In meinen Adern fließt kein Blut,
keine Träne verlässt meine Augen
und ich schwitze nicht.

Ich verwebe Nichts zu Nichts,
bin Atlantis, Eden, Xanadu,
nicht Gestern oder Heute.

Ich bin niemand,
bis du mich Morgen erlöst.

 

DIE HUMMEL

7 Dez

Gestern schwebte eine Hummel durch mein Zimmer.

Woher sie plötzlich kam, weiß ich nicht zu sagen.

Jede Spekulation darüber führt ins Leere.

Ihr Brummen übertönte das Klappern meiner Tastatur.

 

Sie flog gegen das Glas meines Fensters,

Vor dem ein Wirbel aus Blättern und Regen tanzte.

Das Geräusch, das dieser Zusammenprall verursachte,

hängt jetzt noch zwischen den Wänden meines Zimmers.

 

Die Hummel lag benommen auf dem Fensterbrett.

Ich wusste nicht, wie ich ihr klarmachen sollte,

Dass das Draußen ein sofortiger Tod wäre,

Das Drinnen ein Sterben auf Raten.

 

Ihre Spinnwebflügel versuchten, den Leib auf die Füße zu stellen

Und zeichneten dabei ein Muster in die feuchte Staubschicht,

Der rissig aufgesprungenen Farbe des Holzes.

Draußen begann es zu schneien.

 

Vorsichtig drehte ich die Hummel vom Rücken auf die Beine

Und ließ sie, wo sie war.

Ich träufelte einen winzige Lache Zuckerwasser ihr vor die Nase

Und wartete.

 

Die Beine gaben langsam nach und ihr Gesicht sank neben den Tropfen.

Kleine Zuckungen der Flügel gaukelten immer noch Leben vor.

Und das Nicken des Hummelkopfes konnte ein Sterbereflex sein

oder vom Luftzug meiner schlechtschließenden Fenster kommen.

 

Heute am Morgen legte ich den Kadaver in eine Streichholzschachtel,

übriggeblieben aus einer Zeit, in der Feuerzeuge Luxus waren.

Ich brachte die Schachtel mit Hummel in den kleinen Garten

Hinter dem Haus, wo ich sie zwischen welken Brennesseln versteckte.

 

Der Sturm hat sich gelegt.

Zwischen den Wolkenfetzen scheint die Wintersonne.

Unter meinen Achseln wachsen keine Flügel mehr,

Mein Kopf hängt kopfüber neben meinen Beinen.