Archiv | April, 2013

FERNE GELIEBTE

29 Apr

Vom Abschied will ich einmal schreiben können

wie von einem See,

der in den Sommern vor mir in der Sonne liegt,

winters bedeckt von Schnee:

ruhig & schön.

 

Vom Sehnen will ich also schreiben können

wie von Himmeln,

die in den Gebirgen sich über mir wölben

mit Wolken aus rasenden Schimmeln:

fern & nah.

 

Vom Hoffen will ich auch schreiben können

wie von einem Meer,

das ich in diesem Leben doch bezwingen kann,

so blau, so sehr:

tief & warm.

 

Vom Träumen will ich immer schreiben können

wie von Ebenen,

die ganze Nachmittage mich durchflimmern

Zuständen, schwebenden:

still & klar.

 

Von den Ängsten will ich manchmal schreiben können

wie von Städten,

deren Luft so laut ist wie ein Schreien

in Festen:

lang & fahl.

 

Aber, meine ferne Geliebte, von dir

will ich schreiben können wie von Monden,

deren kühles Licht die Nacht mir

durchbricht mich wärmt und hält,

deren Flut mich anfällt

und mich nicht ertränkt,

deren Auf- und Untergang mich trägt

so unentwegt

mich weckt

und schlafen macht,

deren Spegelbild du bist,

so scharf, so sacht.

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ODE AN DAS ‚JA‘

17 Apr

JA kann alles.

Es spricht, wie sonst kein Wort,

sein Klang,

sein Gesang

schwebt als Regenbogen 
und

es schläft nie,

es lässt uns träumen,

ist Sehnsucht und manchmal süßer Schmerz.

Es fliegt mit Flügeln aus Atem oder Stahl,

es wohnt im Herz und dort
geht es herum

wie in einem heiligen Saal.

 

Das JA schaut nicht rückwärts,

es kann hören,

riechen,

spüren,

sehen,

schmecken,

duften,

es ist zu bescheiden,

nur sich um sich selbst zu drehen,

aber es fordert und bittet

und manchmal darf es ruhig flehen.

 

Es fragt und antwortet in einem Zug,

es ist ehrlich und klug.

Das große JA ist niemals ängstlich

und niemals gelogen,

auch wenn es fällt,

liegt es nicht im Staub,

es hält die Seele aufrecht

und wäscht die Gedanken klar.

 

Das JA ist und bleibt und war

unter der Sonne das schönste Wort,

in allen Sprachen,

ein besonderer Ort

des Lachens und der Hoffnung.

 

Es ist das große JA, das die Welt bewegt,

auch wenn sie nur in dir ist.

 

Die Schönheit des „JA“ 
ist mit nichts zu vergleichen,

ist noch immer unerreicht

und wird es bleiben.

 

Das JA ist nicht feige,

es kämpft

gegen das „NEIN“

und ist es doch auch.

 

Das JA kann alles,

will alles,

bekommt alles.

Es ist gelassen

und dabei stark.

 

Sag es!

Was mal gefragt werden muss, lieber G.G.! (der Grass, der Günter)

7 Apr

Wo bleibt Dein Aufschrei jetzt, G.G.?

Liegt er vielleicht nur verborgen unterm letzten Schnee?

Kämpft er vielleicht nur noch mit dem Frost

aus dem ach so fernen Fernost?

 

Wo bleibt Deine ‚Lyrik‘ jetzt, G.G.?

Ist sie erschallt und schon zertreten von Kim Jongs kleinem Zeh?

Bist Du zum öffentlich-lyrischen Schämen schon zu taub,

die allerletzte Tinte im Tintenfass schon Staub?

 

Wo bleiben Deine Worte jetzt, G.G.?

Müsstest Du nicht heulen über den nuklearen Klee,

in einem haltlos ungereimten Gedichte?

Oder liest Du am Ende gar keine Zeitungsberichte?

 

Wann fängst Du wieder an zu geDichten, G.G.?

Wann schenkst Du uns wieder einen lyrischen Dreh,

um zu sagen, was gesagt werden muss,

jedes Wort ein Hammerschlag, ein treffsichrer Schuss?

Wann hören wir wieder was von Dir, G.G?

 

Ist Deine letzte Tinte wirklich schon verbraucht, G.G.?

wenn man in Syrien mordet und versteh‘

ich Dein Schweigen darüber richtig:

Dir ist das alles gar nicht so wichtig,

nobelpreistragender Antisemit G.G.!

 

Wir wollen Deine Ruhe nicht stören zwischen Luv und Lee, G.G.

Wahrscheinlich folgt bald Dein Beweis, dass sich die Erde verbiegt

und Nordkorea eigentlich in Israel liegt,

Syrien von Juden unterwandert ist

und Du somit der letzte Mohikaner bist.

AUF & DAVON AUS DEUTSCHLAND (almost desperate slamery)

2 Apr

Ich bin auf und doch schon

noch nicht davon.

Ich soll vertrieben werden

von diesen Erden

in Deutschland,

zurück ins Meer,

geht es nach denen

und jenen,

die mich ‚ungläubig‘ nennen

mich aber nicht kennen,

von diesen, die verrückt spielen,

auf mich zielen

mit ihren Hobbys.

 

Ich bin auf und doch noch nicht davon,

liege nicht mehr, aber schon aufgestanden,

den Schlüssel in der Hand,

die Schatten schon an der Wand,

die Tür auf schon einen Spalt,

noch ein letzter Halt,

aber doch schon

noch nicht davon.

 

Ich hab‘ einen Schuh schon an einem Fuss,

einen Arm schon in der Jacke,

den Schal um den Hals

(wie eine Schlinge),

aber noch nicht gebunden –

den Weg haben sie noch nicht gefunden.

Ich bin auf, aber doch schon

noch nicht davon.

 

Soll ich gehen

oder stehen

bleiben,

darauf warten,

dass sie mich vertreiben

mit Waffen im Anschlag

und im Kopf die Messer,

ist es da nicht besser,

zu gehen auf & davon?

 

Ist das die Saat

und die Tat

der Augsteins

und

Polenz‘

und

Grass‘,

die Hass

mit letzter

oder

erster Tinte schreiben,

um zu bleiben,

um zu bestehen,

sich anzubiedern

an schießende Mädchen

zwischen den Berliner Stelen,

deren Schüsse mich nicht verfehlen

sollen wollen?

 

Die Saite ist gespannt,

aber nicht gestimmt.

Die Seite ist gelesen,

aber noch nicht umgeblättert.

Der Countdown erst bei Drei

und noch nicht vorbei,

doch die Wunde blutet schon unterm Verband

der deutschen Demokratie,

der letzten Hand

des verwehenden Atems auf der Zielgeraden

von Propagandapfaden.

Ich bin auf, aber doch schon

noch nicht davon.

 

Die Welle sieht das Ufer schon,

aber sie kann noch nicht brechen.

Noch kein Flammenmeer auch,

aber schon genügend Rauch.

Die Glocken schwingen,

die Scharniere singen,

doch es gibt noch kein Läuten dabei –

wie war das noch: Arbeit macht frei.

 

Ich werde ihnen

nicht das Feld überlassen,

ihrem Hassen,

ihrem Lachen,

ihrer Endlösung

meiner, unserer Verwesung,

nicht ihrem Zynismus,

ihrem Faschismus,

nicht ihrer Scheinheiligkeit,

nicht ihren Schatten der Zeit,

nicht ihrer Dummheit

noch ist es nicht soweit,

aber merkt euch:

Wir sind auf, aber längst nicht davon,

auf und nicht davon.