Archiv | Januar, 2013

STALKER (Сталкер)

28 Jan

 

Einen Ring aus Eisen (1), daran eine blutige Binde gebunden,
flatternd im Wind des Wurfes aus der Hand des Stalkers: gefunden
ein Weg in die Sehnsucht (2), aus Hoffnung und Schmerz gemacht,
verloren in den Gleisen der Loren (3) des Glücks, verraten, verlacht

von den Salven der Vernunft, getroffen von den Kugeln der Waffen
der Guards (4) gegen das Glück der Männer, das Kind (5) geschaffen
aus Trauer – Obratnaya Storona (6) – gesäugt in Armut mit Gift (7).
Die Frau zurückgelassen im Haus der nassen Dielen (8), die Schrift (9)

vergessen, nur noch im löchrigen Gedächtnis, wie das Wünschen mal
gewesen sein muss, jetzt einen Raum (10) dazu brauchend, endlose Qual
dem Ring aus Eisen zu folgen, der Stalker und sein Regisseur: das
Kämpfen um das Sehen: Zerstörung, Vernichtung, kein Leben, was

den Namen Gottes trägt, prosperierend nur an den fasernden Rändern (11),
das Zentrum aus Nichts gebaut, Fühlen abgeflaut, nichts wird sich ändern,
von Ewigkeit zu Ewigkeit, von Gestern zu Heute und Morgen.
Wie an einer Nadel hängend, das Sehnen unter Seelenschutt verborgen,

haben sie das Wunder (12) gesehen und den Schatz vergeblich gehoben,
die Helden der Zone (13) – befehlen und gehorchen, Realität verschoben,
Zeit ohne Bedeutung (14), Angeklagte des Glücks, Verlorene des ‚Hier‘.
Und in allem fällt das Publikum in ein ach so großes ‚Wir‘.

Die Farben des Broms (15) erobern das Bild, der Bart (16) falb & grau,
Tristesse des Ekels und die Schönheit des Verfalls – von lau
zu heiß und wieder eiskalt die Gedanken ganz langsam verwoben
zu einem Kelim aus Melancholie, „Aber das ist zu wenig“ (17) da oben.

Anmerkungen:
Der Text bezieht sich auf die Novelle „Пикник на обочине“ (dt. PICKNICK AM WEGESRAND) von Arkadi und Boris Strugazki, sowie auf den Film „Сталкер“ (dt. STALKER, hier im Sinne von ‚Pfadfinder‘) von Andreij Tarkowski.

(1) Der Stalker benutzt eine Schraubenmutter, an die er ein Stück Stoff gebunden hat, um die Richtung der nächsten Schritte zu finden.

(2) Ziel der Expedition in die Zone ist die Erfüllung einer Sehnsucht.

(3) Eine alte Diesellore ist das Transportmittel in die Zone.

(4) Die Zone wird von bewaffneten Einheiten bewacht.

(5) Das todkranke Kind des Stalkers, das er zurücklässt.

(6) „Kehrseite“ oder hier als „Schattenseite“ verwendet.

(7) Der Alkohol, dem alle in dem Film verfallen sind.

(8) Das Haus des Stalkers, durch dessen Dach es ständig regnet und die Dielen aufquellen und glänzen lässt.

(9) Die Bibel und die Texte von Arsenei Tarkowski, Lyriker und der Vater des Regisseurs.

(10) Der „Raum der Wünsche“ innerhalb der Zone, wo jeder Wunsch in Erfüllung geht.

(11) Um die Zone haben sich prosperierende Urbanisationen gebildet, die die Natur zerstören.

(12) Es regnet im „Raum der Wünsche“ und Telefone klingeln.

(13) Ein Gebiet, geschaffen von ausserirdischen Besuchern, die von Abnormitäten, Gefahren und Mutationen gekennzeichnet ist. Die zerstörte Natur erobert ihren Raum zurück.

(14) Die Zeit hat in der Zone eine andere Relation.

(15) Die Farbigkeit der Filmbilder schwankt in verschiedenen Brom-Tönen bis hin zu schwarz/weiß.

(16) Der Stalker ist unrasiert, sein Bart ist gefleckt.

(17) Zeile aus dem Gedicht „Auch der Sommer verschwand“ von Arsenei Tarkowski.

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DER BETTLER

4 Jan

Der Abschied ist ein blinder Mann,

der zitternd seine Finger hebt,

allwissend, wie und wo und wann

nur noch das eine Ende lebt.

Der Lohn für seine Mühe ist

der Duft aus einem Nelkenstrauß,

die Träne, die man still vergießt,

verweht und Sehnsucht blutet aus.

Nun steht er bettelnd, schweigend, still,

wie ein verfluchtes, weises Kind,

warum ein Schmerz nur so beginnt,

dass er doch niemals enden will.

KATER THEATER UND DIE BEIDEN ANDEREN (cat’s slamery)

3 Jan

 

Ein kleiner, schwarzer Kater

mit Namen Theater

ging zur Nacht später

mit seinem Katerkumpel,

der hieß Peter,

auf die Jagd.

 

Und ganz ungefragt,

schloss sich ihnen dann

ein Katzenmädchen an,

die hieß Mariann.

 

Zusammen liefen sie um vier Ecken,

sich zu verstecken

und zu lauern,

doch zu ihrem Bedauern

gab’s nichts zu fangen,

so sehr sie auch bangten.

 

Mariann wurde müde vom Warten,

die Jungs sollten sie tragen

zurück in ihren Garten.

 

Peter und Theater,

die beiden kleinen Kater,

nahmen sie Huckepack,

das ging zick und zack.

 

Jetzt schlafen sie alle drei

unterm rote Rosenstrauch

die Schnauzen auf des anderen Bauch

und die Träume sind frei.