AHASVER

30 Dez

1.

Die Fragen sind verbraucht wie die Tage,

nur Antworten wandern noch hin und her.

Diese Spuren verwehen: ich trage

jede Last der Erde nur allzu schwer.

 

Sie drückt die Füße in den weissen Staub,

der Nacken krumm geht unter diesem Joch,

die Stürme der Wut machen mich halb taub,

Flehen und Beten hält die Sinne hoch.

 

2.

Aus Jerusalem sollte ich kommen,

verflucht bis an das Ende jeder Zeit.

Ich aber bin aus Überall, habt es vernommen:

geboren im Zorn und zum Hass bereit.

 

In allem und jedem sahen sie mich,

nach Erlösung sollte ich Flehen.

Sie glaubten, der da bäte, bin ich,

der Jude, der Schuld hat zu gehen.

 

3.

Ich wurde geschmäht, geplündert und

geprügelt, gescholten, verjagt,

wie einen verdreckten und lahmen Hund

ließen sie mich sterben, wie vorausgesagt.

 

Doch es brachte ihnen keinen Frieden,

mir nicht mehr, denn das Sterben ist zu leicht,

bei ‚Asche zu Asche‘ ist es geblieben,

mehr haben sie niemals wieder erreicht.

 

4.

Und so geh ich noch immer auf dieser Welt,

in jedem von euch bin ich stark und schön und wach.

Kämpft nicht mit mir, Brüder, kein Schlachtfeld,

Schwestern, legt mich unter euer Dach.

 

Solange mein Atem geht von einem Ende

zum nächsten, solange der Blick

sich nicht trübt, solange meine Hände

sich falten, kehre ich zu euch zurück.

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