Archive | August, 2012

NIEMAND & KEINER (rage slamery)

27 Aug

 

Wenn wir wählen würden,

es wirklich könnten,

gegen alle Hürden,

alle Barrikaden,

gegen Politikfassaden,

gegen die Enden noch

die Gegenenden setzten,

die Letzten,

immer wieder und doch

nicht weiter kämen,

als uns zu schämen –

Demokratie

(nichtig und nie)

versagt,

wie unsere Stimmen versagen

und das Versagen beklagen,

wir Kreuze auf (Wahl-)Zetteln

versagen, sagen

wir Worte

und gleich wieder entsagen

und sie so

versagend sagen,

dann lasst uns künftig

und zünftig,

Frau NIEMAND und Herrn KEINER wählen

und uns nicht weiter quälen,

denn

NIEMAND hört uns zu und

KEINER gibt uns Recht,

NIEMAND wird das System zerstören,

wenn

KEINER den Anfang macht,

NIEMAND darüber mit uns lacht,

KEINER wird uns seine Macht

leihen,

mit NIEMAND fahren wir gut,

KEINER macht uns Mut

in den Reihen,

die NIEMAND anführt

und KEINER beschließt

die Beschlüsse von Übermorgen,

die uns retten können,

NIEMAND wird die Wahrheit sagen,

so wie KEINER es jetzt schon macht,

wir sollten die beiden zur Hochzeit bringen,

sie dann in die Parlamente,

Gremien,

Ausschüsse zwingen,

wenn NIEMAND hinter uns steht

und KEINER an unserer Seite geht,

haben wir allen Grund mehr

nicht zu klagen (so sehr),

wenn uns zum Sprechen die Luft ausgeht,

denn NIEMAND spricht

für uns und KEINER

ist nicht nur einer

in der Falle,

NIEMAND & KEINER

wären wir dann alle.

ENDLICH UNENDLICH (narrativ slamery)

19 Aug

Ich sehe meinen Engel  zum ersten Mal

in einem Traum aus Augenblicken, das

leise  Schwirren  seines  Flügels  setzte

sich wie  ein Reisender mir gegenüber,

sein  Atem  weht  an   meine  Haut wie

die Winde der Rennen auf den Straßen

der Kindheit,  seine  Tränen  peitschen

wie der  Regen  der Jahre  des Dunkels

und seine Stimme raubt mir  die  Sinne

in Bescheidenheiten. Sein Kleid wärmt

und  seine Locken:   Spiegel  des Lichts

vorbeiziehend  und  die  eine  Seele nur

mit  einem  Lidschlag befreien:  immer,

so  ist  endlich  das  Endlich  unendlich

Матери Марии, избави нас от Путина! Mutter Maria, erlöse uns von Putin (FREE PUSSY RIOT slamery)

18 Aug

Despoten brauchen immer mal ein Fest

mit Trompeten, Schall der Macht,

auch Rauch

und die Ikone wacht

und steht,

die Fahne weht

wie ein magisches Tuch,

(daneben Bibel

neben Gesetzbuch)

gegen den Wind,

das himmlische Kind,

in allen Farben

von Schwarz bis Gold,

von Weiß zu Rot und Blau,

keuchend, schwitzend, spuckend,

(Gesichter in Grau)

senken sich die Lanzen gegen Sold,

im Saal der Roben

ist oben immer noch oben,

die Richterin pfeift

und vor den Mauern stürmen

die Gladiatoren in blauen Uniformen –

(man trägt Masken aus Ordnung und Gesetz)

peitschen krachend aufgereiht

in die Reihen,

die Schwanengesänge türmen

sich in haufenweise

staatstragenden Kehlen:

Freiheit stehlen,

Zar Wladimir,

erlöse uns!

So würdig folgst deinem Vorfahrn,

deinem Herrn

im Geiste

so gern,

so her und hin,

du kleiner Stalin.

Und jetzt kann alle Welt es sehn:

wie dreckig muss es IHM doch gehn,

dass ER ab und zu eben

Jekaterinas,

Marias,

Nadeschdas

in die Bäuche treten muss,

um zu überleben.

BÖSE (evil slamery)

13 Aug

wir haben das BÖSE gesehen

in allen kostümen kam es

in lumpen & roben

in anzügen & bikinis

in badehosen & mänteln

 

das BÖSE trägt talare & uniformen

mit handschuhen aus leder & wolle

in stiefeln hausschuhen sandalen

 

das BÖSE schminkt sich

wie ein clown

wie ein vamp

es kommt in masken

tränenreich & zur ewigkeit

erstarrtes lachen in blässe

seine frisuren sind bizarr

streng gescheitelt

geflochtene zöpfe

glatzen

dauerwellen

helme von haarspray

seine augenbrauen sind gezupft

buschig striche blassblond

schwarz die wimpern oder rot

federn der dunkelheit

trägt es im haar

bei tag & nacht & tag für nacht

nacht für tag & woch für woche &

monat bei monat & jahr für jahr &

leben für leben

 

das BÖSE …

der körper

glatt weich geschmeidig

die nägel

lackiert abgefressen schartig

gefeilt geschnitten

das geschlecht

rasiert unrasiert traurig froh

der schweiß

ein duft aus moder moos blumen

jahreszeiten & sterben

geburt & gleichgültigkeit

wir haben das BÖSE gesehen

wie es tanzt

schreitet

kriecht

musizierend trinkend & gierig

wie es glotzt aus den augen

der henker & der befehlshaber

in den liedern der bomben & raketen

 

wir haben das BÖSE erkannt

in den worten

der generäle

der kanzlerInnen

der präsidentenInnen

der bankerInnen

von schwarzen

weißen

religionen (päpsten mullahs rabbis priestern gurus)

&

in sendern

verlagen

redaktionen

geschäftsführerInnen von aktiengesellschaften

gmbh(s) & co.kg(s)

in kommentaren

statements richtlinien gesetzen verfassungen

essays gedichten verlautbarungen &

am ende von briefen &

faxen

in den faxen der clowns der welt

politik

 

wir haben das BÖSE erkannt

in den händen

der wal- elefanten- menschenschlächter

der braunen flut

der grünen fahnenträgern

in wüsten

gulags

wäldern

 

das BÖSE wohnt

in häusern wohnungen palästen hütten

in bars in küchen in fluren des gestern

wir drohen am BÖSEn zu ertrinken

in seinen meeren seen flüßen pfützen

aus traurigkeit & wehmut

es schmeckt

nach bitterkeit & süße

seine explosionen

von lachen haben uns zerfetzt

wir haben das BÖSE gesehen

seine schönheit

hat uns hässlich gemacht

sein gewand

hat uns umhüllt

sein hut

unsere augen bedeckt

sein flüstern

hat uns verstummen lassen

 

bis jetzt ist

das BÖSE

das tier der unvernunft &

es schärft seine krallen an unseren herzen

an der innenseite unserer köpfe

zerbeißt seelen

es trägt namen

neid hass

rechthaberei

hinterfragerei

besserwisserei

einsamkeit

lieblosigkeit

herzlosigkeit

 

das BÖSE ist

ZWEITVERSCHWENDUNG (newstart slamery)

1 Aug

das erste war

wie alles wahr war

nicht verdorben

nicht verloren

geborgen

geborgt

versorgt

unausgegoren

 

das erste ist

vorbei

verdroschen vermahlen

in qualen

zu jahreszahlen

auf einem strahl markiert

verschmiert

geteert

nicht verweht

es steht geschrieben

und ist hiergeblieben

 

das erste wird nicht verblassen

noch verblasen

nicht ertrinken

noch versinken

nicht mehr überborden

noch nicht gestorben

am leben gehalten

(den schmerz zu verwalten)

verstrickt zu alten

narben in wetterleuchtenfarben

 

nun also kommt deine zeit

zu zweit

zu weit

und ohne endung:

das wunder

der zweitverschwendung