Archiv | Juli, 2012

STILLE (holyday slamery)

31 Jul

Krakelende Hunde

machen im Tal die Runde

durch die Nacht der Sterne,

die Monde flammen ruhelos

in kleiner Ferne,

das Liegen ohne Hemden, blos,

versteht man gerne

als Tage ohne Ziel.

 

Es braucht nicht viel,

die Wolken zu berühren,

das ‚Umzu‘ darf verführen,

das Licht versteht die Fragen,

die Augen nicht,

das Heben und Senken,

das Öffnen und Schließen,

das Schreien und Denken,

das Ruhen und Fließen

verleiht dem Alles die Flügel

und das Sehnen geht nicht

mehr am Zügel.

 

Über die Hügel

weht der leichte Wind

herrüber vom Meer,

wie ein artiges Kind,

schießen die Freuden quer,

daneben,

eben,

um Leben zu leben,

fällt der Durst dich an

und dann

und wann

vergeht ganz leise

das Flirren

auf der Reise,

verzieht sich in die Falten der Berge.

 

Und zwischen Oliven und Rosen,

Terrassen und Eichen,

Kindern ohne Hosen,

Spielen und Weichen,

Worten zu Sätzen,

Schlingen zu Drähten,

wird jedes Setzen

ein Atmen ohne Last,

ohne Hast

und Rast

und in den Karst

verliert sich das Lächeln

von Gestern zum Lachen

von Morgen.

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UND und OHNE (describing slamery)

15 Jul

das UNDglück ist,

was du bist

UND glücklich mehr:

es ist die insel UND das meer,

der regen UND die sonne (so sehr),

das dunkel UND die helle,

die mündung,

die quelle,

es ist der mund,

die augen,

die haut

UND die gedanken, laut,

du bist der grund,

wenig UND dabei viel,

beginn, weg UND ziel,

feuer UND rauch,

realität UND träume auch,

atem UND schmerz,

gehoben gesenktes,

inwendig auswärts,

bekommen verschenktes,

verloren gefunden,

rotblaugrünes schwarzweiß,

ewigkeiten von millisekunden,

heißkaltes heiß,

honigsalz UND sommerwinter,

stopp UND lauf,

es ist das UND der kinder,

das UND des hinunter rauf,

OHNE  vergessen erinnern,

fallend fangen,

in universumkleinen zimmern,

wiederkommen gegangen.

es ist der große quotient

der erwartung UND des lebens,

„der schaum der tage“*,

meiner kleinen weltenlage,

hungerndes satt,

wissend staunen,

ein fliegendes matt,

schreiendes raunen,

wie die eile UND die weile,

es ist alles UND davon die gegenteile,

UND endlich ist nicht mehr zu sagen,

als dass nichts mehr zu sagen UND zu fragen

ist:

du bist

das UNDglück

OHNE dieses UNDzurück.

* „Der Schaum der Tage“ ist der Titel eines Romans von Boris Vian (1920-1959)

JETZT & MUSS & ALLES (questional slamery)

6 Jul

Wann ist endlich JETZT

und wie lange dauert es?

Noch immer ist es so, wie es ist:

Mein JETZT ist nicht hier,

wo das ist, was das ALLES ist,

wo jedes JA verzweifelt

nach Frieden schreit,

wo jeder Kuss

die Liebe vertreibt,

wo jedes MUSS

das Elend beschreibt,

wo die Gebärden

und die Nachrichten

nie besser werden,

doch nur noch tiefrotrot

von soviel Tod,

wo kapitale Metropolen

die Eiszeit zurückholen

und Ferkel in Nadelstreifen

erst zu Schweinen

und dann zu Wölfen reifen,

im Treibhaus verschlagen

Schicksal spielen

und es wagen

mit ihren Aktien

auf uns zu zielen,

sie feuern aus allen Rohren

auf uns und auf die,

die noch nicht geboren.

Ist das JETZT

schon vor seiner Ankunft

zerlechzt,

zerfetzt,

zersetzt

und vom Geld seiner Vernunft

beraubt,

verbaut,

beklaut,

hat der Neid seine Schönheit

bedeckt,

verdreckt,

in Brand gesteckt,

damit es endlich verreckt

und nach Möglichkeit

für immer überall ist –

nur nicht hier

bei mir,

bei dir,

beim WIR,

die wir das JETZT so schwer

vermissen, so sehr?

Warum machen wir nicht jetzt

unser eigenes JETZT?